Studie erklärt, warum wir Chaos-Strukturen aufbauen – Business Punk

6. Mai 2021
Stell dir ein Lego-Gebäude vor, bei dem eine Dachplatte instabil auf nur einem Steinchen ruht. Direkt daneben steht ein Legomensch. Wie kann man die Konstruktion so anpassen, dass der Plastikfigur keine Lebensgefahr droht? Auch wenn die Frage ziemlich abstrakt klingt, hat sie weitreichende Konsequenzen für die Art, wie wir unser Leben organisieren.
Denn wie Forscher:innen um Gabrielle Adams von der University of Virginia untersucht haben, wählen Menschen immer und immer wieder eine Lösung, die neue Teile hinzufügt. Oder wie die Studie es ausdrückt, sie „ignorieren systematisch substraktive Veränderungen“.
Und das der Tatsache zum Trotz, dass die neuen Teile bei einer „additiven Veränderung“ Kosten verursachen (10 Cent pro Legsotein in unserem Beispiel) und dass es eine einfachere substraktive, also eine Wegnehm-Lösung gäbe. Die bestünde hier darin, einfach den Legostein zu entfernen, sodass die Dachplatte stabil auf der Basis aufliegt. Die Legofigur wäre dann in Sicherheit.
Genauer sieht man das in einer lllustration des Legoszenarios, die das Magazin „Nature“ in einem zusammenfassenden Artikel zeigt. Es geht dabei aber nicht bloß um Kinderspielzeug. Dass Menschen systematisch lieber darüber nachdenken, wie sie etwas hinzufügen können, vermag vielleicht zu erklären, warum uns so viele überkomplexe Strukturen umgeben: Zwei Abteilungen, die eigentlich das gleiche tun. Menschen mit Bullshit Jobs, die nur existieren, um irrelevante Excel-Sheets zu füllen.

Die Forscher:innen aus den USA haben den zugrundeliegenden Mechanismus unserer Psyche anhand weiterer Beispiele betrachtet. Auch auf die Frage einer Uni-Präsidentin, wie man die Studienerfahrung verbessern könne, antworteten den Archivdaten zufolge nur 11 Prozente der Antwortenden mit dem Vorschlag, eine Regel oder Institution abzuschaffen. Wahrscheinlich schlugen dafür viele andere vor, einen neuen Job zu schaffen. Und wahrscheinlich gehörte das Ausfüllen von Exceltabellen zur Kerntätigkeit.

Author: James Fond