„Störgeräusche“: Wie der Hintergrund des Beraters die Anlageempfehlung beeinflusst

Wenn mehrere Finanzberater ein Risiko-Level für das Portfolio eines Kunden festlegen sollen, können sie zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen gelangen. Das ist die Kernaussage einer Studie von Oxford Risk. Das britische Beratungsunternehmen hat sich auf Behavioral Finance spezialisiert, die psychologische Komponente bei der Finanzanlage. Mit Risiko sind in diesem Zusammenhang die potenziellen Verluste aus einer Anlage gemeint.Bitte registrieren Sie sich oder loggen Sie sich ein, um diesen Artikel lesen zu können.Dieser Artikel richtet sich ausschließlich an professionelle Investoren. Bitte melden Sie sich daher einmal kurz an und machen einige berufliche Angaben. Geht ganz schnell und ist selbstverständlich kostenlos.Jetzt registrierenWenn mehrere Finanzberater ein Risiko-Level für das Portfolio eines Kunden festlegen sollen, können sie zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen gelangen. Das ist die Kernaussage einer Studie von Oxford Risk. Das britische Beratungsunternehmen hat sich auf Behavioral Finance spezialisiert, die psychologische Komponente bei der Finanzanlage. Mit Risiko sind in diesem Zusammenhang die potenziellen Verluste aus einer Anlage gemeint.Die unterschiedlichen Einschätzungen der Berater – die diese jeweils zu imaginären Kunden abgeben sollten – führten auch dazu, dass am Ende sehr unterschiedliche Anlageempfehlungen herauskamen, stellten die Studienautoren fest. In einem Fall habe ein Berater ein „sehr geringes“ Risiko-Level empfohlen, während ein anderer für den identischen Kunden ein „sehr hohes“ Risiko-Level ansetzte. In einem anderen Fall lagen die Einschätzungen zu einem Kunden gleichmäßig über die gesamte Risikoskala verteilt.Welches Risiko-Level halten Sie bei den sechs Kunden für angemessen?Die Skala links beziffert den Anteil der jeweiligen Einschätzungen gemessen an allen Antworten

Grafik:  Oxford RiskDie unterschiedlichen Beurteilungen wirkten sich auch darauf aus, wie am Ende das empfohlene Portfolio aussah. Bei Oxford Risk will man eine „Asset-Allokation nach dem Gießkannenprinzip“ beobachtet haben. Denn: Selbst in Fällen, in denen unterschiedliche Berater bei einem imaginären Kunden eine einheitliche Risikostufe diagnostizierten, klafften ihre Ratschläge zum Portfolioaufbau weit auseinander.Die Empfehlungen seien eher zufällig als konsistent, bemängeln die Studienautoren. Sie sprechen in dem Zusammenhang von „Störgeräuschen“ („Noise“) im Beratungsprozess: Es existierten eine Reihe von Faktoren, die die Anlageempfehlung beeinflussen können. Selbst die aktuelle Stimmung des Beraters, die Zeit seit der letzten Mahlzeit oder das Wetter seien dazu geeignet.
Die Studienautoren entdeckten auch Zusammenhänge zwischen dem persönlichen Hintergrund eines Beraters und seinen Empfehlungen: So ordneten Berater, die ein Festgehalt beziehen, ihre Kunden tendenziell in höhere Risiko-Level ein als solche, die auf Basis von Provisionen oder Service-Gebühren arbeiteten.  Verheiratete Berater wiederum empfahlen tendenziell weniger risikobehafteten Anlagen als unverheiratete Finanzprofis.Um Zufälle im Beratungsprozess auszuschließen, empfehlen die Studienautoren übrigens, sich Unterstützung bei Technologie und Algorithmen zu suchen. Vor allem eine Software aus dem eigenen Haus könne helfen, objektivere Anlageempfehlungen zu geben.

Author: James Fond