Marktaussichten für Gesundheitsaktien: Medizinischer Fortschritt sorgt für gesunde Portfolios

Die Pandemie verstärkt bestimmte Megatrends – langfristige, strukturelle Entwicklungen, die auch unseren Alltag betreffen. So arbeiten Menschen vermehrt von zuhause, soweit möglich. Dazu investieren Unternehmen in Cloud-Infrastruktur sowie Soft- und Hardware – die Digitalisierung beschleunigt sich. Auch im Privatleben ist sie nun noch stärker auf dem Vormarsch: Video-Streaming statt Kinobesuch, Online-Shopping statt Einkaufsbummel und Essenslieferung frei Haus statt Restaurantbesuch lautet immer öfter die Devise.Zudem beflügelt das Corona-Virus den medizinischen Fortschritt. Der Bedarf an Produkten und Dienstleistungen rund um die Gesundheit stieg bereits vor der Pandemie weltweit – weil die Weltbevölkerung wächst, die Menschen immer älter werden und der Wohlstand in Schwellenländern steigt. Corona verleiht dieser Entwicklung zusätzlichen Rückenwind.Digitale medizinische Leistungen setzen sich durchMedizintechnologie verknüpft technologischen sowie medizinischen Fortschritt und eröffnet Anlegern damit Chancen. Bereits im Zeitraum von Januar bis Februar 2020 – und damit vor dem globalen Ausbruch der Corona-Pandemie – gaben in einer Studie (E-Health Trendbarometer von HIMSS, Stand Juli 2020) über 90 Prozent der befragten Gesundheitsexperten aus Europa an, Telemedizin zu nutzen. Dazu gehören Leistungen wie etwa Video-Sprechstunden oder Gesundheits-Apps. Insbesondere stechen die skandinavischen Länder hervor, die telemedizinische Leistungen besonders umfassend nutzen.Auch in Deutschland digitalisiert sich das Gesundheitssystem zunehmend – nicht zuletzt aufgrund von Corona. Dem Branchenverband Bitkom zufolge hatte sich bereits im Juli 2020 die Anzahl an Menschen, die Online-Sprechstunden nutzten, im Vergleich zu 2019 nahezu verdreifacht – von 5 auf 13 Prozent. Und auch unter denjenigen, die ihren Arzt bislang ausschließlich persönlich aufsuchen, ist das Interesse groß: Fast jeder Zweite könnte sich in Zukunft einen virtuellen Arztbesuch vorstellen. Auch das entsprechende Angebot wächst: Laut einer repräsentativen Umfrage von Stiftung Gesundheit und health innovation hub unter ambulant tätigen Ärzten in Deutschland boten im Jahr 2020 bereits 52,3 Prozent Videosprechstunden an. Weitere 10,1 Prozent haben es kurzfristig vor. Drei Jahre zuvor hatte die Studie ergeben, dass nur 1,8 Prozent der Ärzte mit Patienten via Videosprechstunde Kontakt haben. Der Ausbruch der Pandemie sorgte für einen erheblichen Anstieg des Angebots. Über 73 Prozent der Ärzte gehen davon aus, in Zukunft bis zu einem Fünftel der Patientenkontakte über Videosprechstunden abzuwickeln.Die App auf Rezept findet ebenfalls Anklang: Sechs von zehn Patienten können sich vorstellen, in Zukunft eine Gesundheits-App zu nutzen, um beispielsweise ein Diabetes-Tagebuch zu führen oder Rückenübungen von zu Hause aus zu machen (siehe Grafik). Die Voraussetzung hierfür hat die Politik in Deutschland mit dem Digitale-Versorgung-Gesetz geschaffen, das im Dezember 2019 in Kraft trat.Bei solchen Innovationen im Bereich digitale Gesundheit dürfte es sich um einen langfristigen Trend handeln. Denn der Bedarf an Produkten und Dienstleistungen rund um die Gesundheit nimmt weiter zu. Von diesem Trend werden vermutlich Unternehmen profitieren, die Telemedizin und den Datenaustausch zwischen Patienten und medizinischem Personal sowie zwischen Gesundheitseinrichtungen ermöglichen. So wird bis 2025 allein in Europa ein Marktvolumen von 232 Milliarden Euro für digitale Dienstleistungen und Produkte im Gesundheitsbereich erwartet – davon entfallen 57 Milliarden Euro auf Deutschland, kalkuliert die Unternehmensberatung Roland Berger.

Author: James Fond