Jan Frodeno: „Ich hatte nie das Verlangen nach Absicherung“

9. Juni 2021
Jan Frodeno ist wahrscheinlich der bekannteste Triathlet Deutschlands. Er konnte das Rennen bei den olympischen Spielen 2008 als bisher einziger Deutscher für sich entscheiden. Doch nach der olympischen Distanz ging Frodenos Reise weiter zur Langdistanz, besser bekannt unter der Ironman-Distanz. Mittlerweile ist er außerdem Gesellschafter einer Triathlonbekleidungsmarke.
Wir haben uns mit ihm getroffen, um über seine Motivation, seinen Kindheitstraum und seinen scheinbar unstillbaren Hunger nach immer mehr Erfolg zu sprechen.
Wer hat dich dazu motiviert, mit dem Triathlon zu beginnen?
Jan Frodeno: Ich bin in Kapstadt aufgewachsen. Da gab es einen Sportler, der sich Konrad Stolz nennt. Das war der erste Olympionike, den ich persönlich kennengelernt habe. Ich war damals Rettungsschwimmer am Strand und die haben jeden Sonntag ein öffentliches Freiwasser Schwimmen veranstaltet.

Weil Kapstadt damals noch absolutes Hai-Territorium war, war immer ein Rettungsschwimmer dabei. Und der war ich. Da habe ich diesen Typ kennengelernt. Er ist kurze Zeit später beim Olympia-Debüt des Triathlons in Sydney gestartet und hat mich damit einen Schritt näher an diesen Kindheitstraum Olympia gebracht.
Der Traum von Olympia war also schon immer da?
Genau. Ich komme aus dem klassischen intellektuellen Haushalt, da war Sport absolut tabu. Aber Olympia wurde selbst bei uns zuhause geguckt und dementsprechend war das vielleicht eine Trotzreaktion oder einfach nur, weil es eben etwas Besonderes war. Ich wusste schon immer, dass ich da mal hinwill, nur nicht wie.

Jan Frodeno (© Ryzon)
War für dich auch direkt klar, dass es der Triathlon sein muss? Oder hast du auch über eine Schwimmprofikarriere nachgedacht?
Es war relativ bald klar, dass mir das deutlich mehr liegt als das reine Schwimmen. Ich habe erst mit 15 schwimmen gelernt und kam dann gleich in eine Hochleistungsgruppe. In der war auch der ein oder andere Olympionike dabei. Das hat aber nie so richtig geklappt, weil ich da zu weit weg war. Schwimmen fängt man eigentlich mit sechs Jahren an und das Wassergefühl braucht viele Jahre bis das halbwegs gut ist. Der Weg dorthin ist sehr weit. Und den habe ich nicht geschafft.
Hast du eine Lieblings-Disziplin?
Das ist immer Phasenabhängig. Ich würde sagen das Laufen ist in jeder Frühsaison für jeden extrem unangenehm. Wenn du laufen gehst in der Frühsaison, geht erstmal nichts und es macht auch keinen Spaß. Aber während der Saison, wenn dann eine gewisse Leichtigkeit dazukommt, ist es ein wunderbares Gefühl des Schwebens. So ist das eigentlich in allen drei Disziplinen. Es ist beim Laufen am extremsten, aber es hat alles schöne und anstrengende Momente.
Gab es für dich einen Moment, in dem du dachtest: Okay, was, wenn das alles nicht klappt?
Gerade am Anfang mit 19 oder 20 Jahren war mein Motto eher: Es gibt keinen Plan B, deswegen muss Plan A funktionieren. Das war so das, was mir mein Vater mit auf den Weg gegeben hatte: Eine gewisse Kompromisslosigkeit, zu sagen, all in oder gar nichts.
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Author: James Fond