Investment-Stratege von Alliance Bernstein: Die US-Inflation wird nicht langfristig steigen

Markus Peters, Foto: Alliance BernsteinTrotz des aktuell sehr starken Preisanstiegs hat sich das fundamentale Bild in den USA unserer Meinung nach nicht sonderlich verändert. Denn es war absehbar, dass es im Frühjahr und Frühsommer 2021 zu genau dieser Entwicklung kommen würde. Die starke Finanzlage der privaten Haushalte hat die Nachfrage in die Höhe getrieben, während Engpässe und Schwierigkeiten in der Lieferkette das Tempo begrenzen, mit dem das Angebot steigen kann, um diese Nachfrage zu befriedigen.Die langfristige Perspektive entscheidetAus politischer Sicht und auch für Anleger ist es nicht entscheidend, ob die Preise kurzfristig steigen werden. Worauf es hingegen ankommt ist, ob dies auch längerfristig der Fall sein wird. Hier hilft ein Blick auf die betroffenen Sektoren: Der Großteil der jüngsten Preiserhöhungen fand in Bereichen statt, die in der Regel keinen dauerhaften Schwankungen unterworfen sind – zum Beispiel Gebrauchtwagen, Hotelübernachtungen und Flugtickets. Wir gehen davon aus, dass diese Güter und Dienstleistungen mit nachlassender Angebotsknappheit auf ein normaleres Niveau zurückkehren werden. Die Schlüsselfrage ist: Schlägt sich der kurzfristige Preisanstieg in den längerfristigen Inflationserwartungen nieder? Eindeutige Beweise hierfür gibt es zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht.

US-Notenbank vor rascherem KurswechselNichtsdestotrotz denken wir, dass die Federal Reserve (Fed) ihre Anleihenkäufe im Rahmen der quantitativen Lockerung früher als ursprünglich geplant reduzieren wird, und zwar schon im vierten Quartal dieses Jahres. Dies wirkt sich auf die Prognose für die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen aus, die sich im Jahr 2021 auf eine Spanne von 1,75 bis 2,25 Prozent zubewegen dürften.Diese Tapering-Erwartung wird durch den jüngsten Rückgang der realen Renditen unterstützt. Er hat dazu geführt, dass die finanziellen Bedingungen akkommodierender geworden sind, obwohl die Erholung an Schwung gewonnen hat. In den letzten Monaten haben sich die Inflationserwartungen nach oben bewegt, aber die nominalen US-Zinsen sind stabil geblieben. Das bedeutet: Die realen Zinssätze – der Abstand zwischen den nominalen Zinssätzen und den Inflationserwartungen – sind um etwa 30 Basispunkte gesunken.
Was die anderen geldpolitischen Instrumente der Fed betrifft, erwarten wir, dass die Zentralbank die Zinssätze unverändert lässt. Das bedeutet, dass die US-Zinskurve zunehmend steiler wird. Diese Dynamik dürfte Investoren dazu veranlassen, sich zunächst auf Laufzeiten bis zu 10 Jahren zu konzentrieren. Aber wir gehen davon aus, dass die Nachfrage nicht-institutioneller Anleger nach US-Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten zunehmen wird, wenn es zu einer weiteren Neubewertung kommt.Europäische Anleger profitieren von niedrigen Hedging-KostenDie sehr niedrigen annualisierten US-Dollar-Absicherungskosten für Euro-Investoren dürften diese Dynamik zusätzlich forcieren. Diese liegen derzeit bei etwa 75 bis 80 Basispunkten. An dieser Situation dürfte sich vorerst wenig ändern, da sowohl die Fed als auch die Europäische Zentralbank die Zinssätze stabil halten und es daher weniger kostspielig ist, die Volatilität von Währungsbewegungen abzusichern.Über den Autor:Markus Peters ist Investment-Stratege für Anleihen bei der Fondsgesellschaft Alliance Bernstein (AB).

Author: James Fond