Influencer:innen bewerben Fake-Produkt. Drei Fragen an Youtuber Marvin Wildhage

25. Mai 2021
Der Youtuber Marvin Wildhage hat sich einen Skandal-Spaß der besonderen Sorte erlaubt. Er wollte die Ehrlichkeit von Influencer:innen testen und hat hierfür seine Hautcreme „HydroHype“ erfunden, um sie bewerben zu lassen.
Der Clou: Bei der Creme handelt es sich eigentlich um Gleitgel. Zudem befinden sich in den Ingredients Angaben wie „Uran“, „pipikaka seed oil“ oder „Asbest“. Bei genauerem Hingucken sollte den Infuencer:innen oder deren Management also aufgefallen sein, dass es sich offenkundig um einen Joke handelt. Einigen ist dies aber entgangen, und so wurde das Fake-Produkt von Internet-Stars wie Enisa Bukvic oder Leon Machère beworben.
Zu Letzterem ist gestern Marvins drittes und damit letztes Video der HydroHype-Trilogie erschienen. Und das sorgte für Furore! Denn der Manager von Machère drohte Marvin indirekt mit Gewalt, sollte das Geld für die Gage nicht rechtzeitig ankommen. Obwohl Marvin seine Bankauszüge teilte, welche die Abbuchung bestätigen. Seht selbst:
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Dies wirft einen weiteren Schatten auf das fragwürdige Business einiger Influencer:innen. Neben heuchlerischen Produktempfehlungen und gefakten Insights kommt nun der Aspekt der kriminell angehauchten Managements hinzu. Wir haben mit Marvin persönlich über seine HydroHype-Videos gesprochen und wollten von ihm wissen, wie er seine Außenwirkung durch die Videos einschätzt.

Marvin, glaubst du mit deiner Aktion ein Umdenken bei der Zielgruppe der Influencer bewirkt zu haben? Gehen viele jetzt vorsichtiger mit Werbeanzeigen auf Instagram um?
Ich hoffe natürlich, dass ich bei den teilweise sehr jungen Follower:innen nachhaltig etwas bewirken konnte. Allerdings ist das Internet schnelllebig und mich würde es nicht wundern, wenn der Großteil es beim nächsten Swipe schon wieder vergessen hat. Man darf es allerdings auch nicht missverstehen: Nicht jede Werbung ist peinlich und erstrecht nicht jede:r Influencer:in geldgeil. Es ging eher darum an einem realistischen Beispiel ein branchenübliches Problem zu demonstrieren. Schön wäre aber auch, wenn nun manche:r Influencer:in kritischer mit Werbeanfragen umgeht und Werbepartner dafür sensibilisiert werden, dass man die Zuschauer:innen nicht zum Narren halten kann.  
Einige Personen, die durch deine Aktion aufgeflogen sind, versuchen das Täter-Opfer-Verhältnis umzudrehen und stellen sich als Opfer dar, die von dir reingelegt wurden. Was denkst du darüber?
Objektiv betrachtet wäre es für die Influencer:innen sinnvoller gewesen, sich deutlich kritischer mit dem eigenen Verhalten auseinanderzusetzen, statt nach Ausreden zu suchen. Allerdings hätte ich rückblickend auch das jeweilige Management stärker zur Verantwortung ziehen sollen. Schließlich ist es deren Aufgabe, solche Dinge zu überprüfen.   
Bei deinem Content sind Gewaltdrohungen wahrscheinlich nichts Neues. Hast du schon mal darüber nachgedacht, dir professionellen Schutz zu suchen?
Nach meinem Undercover-Training bei Hertha BSC gab es ebenfalls einige unschöne Nachrichten. Im aktuellen Fall ist es konkreter, da es von einem, meines Wissens nach, ehemaligen Management kommt. Aber Schutz suche ich nicht. Mein Projekt war ja relativ harmlos. Da haben andere Journalisten deutlich mehr zu fürchten. 
Marvins Prank rüttelt wach. Dass es im Internet einfacher ist, Leuten etwas vorzugaukeln, wissen wir. Doch wie weit dies gehen kann, ist wahrscheinlich den Wenigsten klar. Wenn Werbe-Websites aufploppen, die uns einen Millionengewinn versprechen, klicken die meisten User:innen gelassen weg. Aber Influencer:innen, die wir mögen, und die uns hoch und heilig versprechen, dass wir mit jener angepriesenen Creme endlich unsere Falten loswerden?
Wahrscheinlich haben viele von uns selbst schon mal schnell vergessen, dass es sich hierbei um nichts anderes als Werbung handelt. Gerade für jüngere User:innen, die über das Influencer:innen-Business noch nicht genug aufgeklärt wurden, können Marvins Videos eine Art Lehrmaterial sein. Und für alle anderen mindestens eine gute Erinnerung.

Author: James Fond