Fossile Energieträger sind zunehmend tabu: Wie große Unternehmen auf saubere Energie umstellen

Lust auf einen Burger mit erneuerbarer Energie als Beilage? Kunden des Fast-Food-Riesen McDonald’s wissen es vielleicht nicht, aber genau das bekommen sie in einigen Filialen des Unternehmens. Die weltgrößte Restaurantkette ist eines von immer mehr Unternehmen, die von Strom aus fossilen Energieträgern Abstand nehmen.2020 unterzeichnete McDonald’s einen Vertrag über den Bezug von 1,1 Gigawatt (GW) erneuerbarer Energie aus neuen US-Wind- und Solarprojekten. Das Unternehmen hat bereits fünf solcher Strombezugsverträge (Power Purchase Agreements, PPAs) geschlossen. Stromlieferungen können hierbei physisch oder bilanziell erfolgen. Seit 2008 gesammelte Daten zeigen, dass McDonald’s USA inzwischen zu den zehn größten US-Abnehmern von erneuerbarer Energie im Unternehmenssektor zählt. Bis 2030 soll zudem das wissenschaftsbasierte Ziel einer Reduktion der Treibhausgasemissionen um 36 Prozent erreicht werden.McDonald’s ist bei Weitem nicht das einzige Unternehmen. Allein 2020 verpflichteten sich mehr als 130 Unternehmen weltweit zum Bezug erneuerbarer Energie in einem Gesamtvolumen von 23,7 GW (damit könnten mehr als 7 Millionen Haushalte pro Jahr mit Strom versorgt werden) – das ist viermal mehr als 2017, wie Bloomberg New Energy Finance (BNEF) berechnet hat.Spanien, das Sonne im Überfluss und jede Menge Erfahrung mit Erneuerbaren hat, verzeichnete einen starken Anstieg von PPAs für erneuerbare Energie im Unternehmenssektor. Das Volumen ist 2020 auf 4,2 GW von gerade mal 300 MW im Jahr davor gestiegen. Unternehmen wie Total und Anheuser Busch orchestrieren in Spanien „grenzüberschreitende virtuelle PPAs“ und kaufen saubere Energie im Land, um ihre Last anderswo in Europa auszugleichen.PPAs werden immer interessanter für Unternehmen, die ihre Emissionsziele erreichen wollen. Bislang haben sich rund 1.500 Unternehmen aus aller Welt, darunter multinationale Konzerne wie Amazon, Apple und Ford, der RE100-Initiative angeschlossen und sich verpflichtet, ihren Strombedarf zu 100 Prozent aus sauberer Energie zu decken. Das ist ein gewaltiges Unterfangen.Die Wirtschaftsleistung dieser Unternehmen (Gesamtumsatz von 114 Billionen US-Dollar) entspricht der Hälfte des US-BIP, und mit 3,5 Gigatonnen sind ihre Treibhausgasemissionen nach Berechnungen der Umweltorganisation NewClimate Institute & Data-Driven EnviroLab größer als der Ausstoß der Europäischen Union innerhalb eines Jahres.Sollten die RE100-Mitglieder ihre Ziele ausschließlich mit PPAs erreichen, so würde dies zu einem geschätzten Volumen von 93 GW an neuer, zusätzlicher Solar- und Windenergie führen, so Bloomberg New Energy Finance. Das entspricht rund 15 Prozent der Gesamtleistung aller chinesischen Kohlekraftwerke.Der Einzelhandelsriese Amazon ist mittlerweile der größte Nutzer von erneuerbarer Energie im Unternehmensbereich mit einem Gesamtvolumen von 7,5 GW und seine PPA-Portfolios für Wind- und Solarenergie erstrecken sich von Australien und Südafrika bis nach Schweden und Großbritannien. Das Unternehmen möchte es bis 2030 schaffen, alle seine Standorte – Büros, Fulfilment-Zentren, Rechenzentren – mit erneuerbarer Energie zu versorgen, und damit sein Ziel von Netto-Null-Emissionen bis 2040 erreichen.Null CO2 rund um die UhrDie Bemühungen der Unternehmen um Reduzierung der CO2-Emissionen mit PPAs sind ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Einige Unternehmen möchten jedoch mehr tun, um ihr Umweltprofil zu verbessern.PPAs bieten Unternehmen die Möglichkeit, erneuerbare Energie zu einem Festpreis zu beziehen, ohne dass Investitionskosten entstehen. Diese Verträge sind auch eine gute Absicherung gegen künftige Preisschwankungen. PPAs bedeuten jedoch nicht, dass aus erneuerbaren Energiequellen gewonnene und über PPAs bezogene Energie direkt in den Geschäftsbetrieb einfließt. Das liegt daran, dass jeder Standort an sein regionales Stromnetz angeschlossen ist, so wie jeder andere Stromabnehmer. Zudem enthält der Strommix in jeder Region in der Regel eine Kombination aus erneuerbaren Ressourcen sowie CO2-haltige Kohle und Erdgas.Um diesem Manko entgegenzuwirken, hat sich der US-Technologieriese Google etwas ganz Neues einfallen lassen. Nachdem das Unternehmen bereits 2007 sein Ziel eines Netto-CO2-Ausstoßes von Null erreicht hat, möchte es jetzt bis 2030 CO2-frei werden. Dazu ist geplant, genug CO2-freie Energie zu beziehen, damit der Strombedarf aller seiner Standorte zu jeder Zeit an 365 Tagen im Jahr gedeckt ist.Nehmen wir als Beispiel das Rechenzentrum des Unternehmens in Iowa. Obwohl auf das Jahr gesehen 74 Prozent des Energieverbrauchs des Zentrums mit CO2-freier Energie gedeckt wurden, schwankte dieser Anteil aufgrund der unbeständigen Verfügbarkeit von Wind sehr stark. An Tagen mit viel Wind können die im Auftrag von Google betriebenen lokalen Windkraftanlagen rund dreimal mehr Strom produzieren als vom Rechenzentrum benötigt. An Tagen aber, an denen es nahezu windstill ist, kann das Rechenzentrum nicht ausschließlich mit CO2-freier Energie versorgt werden und hat daher ein ungünstiges CO2-Profil (siehe Abbildung).Damit der Energiebedarf rund um die Uhr mit erneuerbarer Energie gedeckt werden kann, plant das Unternehmen, seine bestehenden PPAs aufzustocken und die Energieeffizienz weiter zu erhöhen. Ein durchschnittliches Google-Rechenzentrum verbraucht jetzt schon halb so viel Energie wie ein normales Rechenzentrum. Das Unternehmen möchte auch seine Energiespeicherkapazität ausbauen. McDonald’s gibt sich nicht mit PPAs allein zufrieden und hat vor kurzem sein neues Netto-Null-Restaurant in Orlando, Florida, eröffnet. Dort wird genug erneuerbare Energie direkt vor Ort erzeugt, um den Energiebedarf auf Nettojahresbasis zu decken. Die Restaurantkette nutzt die Daten und Erkenntnisse aus der Filiale mit Solardächern und bepflanzten, und damit CO2-absorbierenden, atmungsaktiven Wänden, um den Energie- und Wasserverbrauch rund um die Welt auch an anderen Standorten zu reduzieren – und liefert damit Denkanstöße für andere Unternehmen der Branche.

Author: James Fond