Expert:innengespräch: Wie schaffen wir es, unser Zuhause wirklich als Gym zu sehen? – Business Punk

12. April 2021
Angélique Poulain ist selbstständige Trainerin aus Berlin. Mit ihrem Label YogaRebel unterrichtet sie Yoga und Pilates sowie Partner Akrobatik und bildet online andere Trainer:innen und Lehrer:innen aus, die mit ihrem Beruf in Selbstständigkeit finden wollen. 
Wie können wir unser Mindset dahingehend ändern, dass wir unser Zuhause als Gym sehen?
Leichter fällt es natürlich, wenn du Platz für eine Sport Ecke oder vielleicht sogar einen Raum, getrennt von deinem Homeoffice, hast – zum Beispiel die Garage oder der Keller. Da wir aufgrund der Umstände tendenziell weniger Bewegung haben, ist es besonders wichtig, sich einen Ausgleich zu schaffen. Setze dir also feste Zeiten, in denen du Sport priorisierst, vielleicht verabredest du dich via Video mit Freund:innen zum gemeinsamen Trainieren. 
Zieh dir Sportkleidung an! Natürlich kann man im Schlafanzug trainieren, wenn du dich allerdings motiviert halten möchtest, sollten dann auch die Umstände stimmen, und da ist Sportkleidung essentiell. 

Deine innere Einstellung ist dabei wichtig! Unsere Umstände können wir aktuell nicht ändern, dafür aber unsere Haltung. Sieh das Ganze sportlich, eher als eine Challenge, dich zusätzlich mental zu trainieren.
Wie muss dieser Sportplatz ausgestattet sein? 
Ich bin eine große Freundin von Training mit eigenem Körpergewicht. Die wenigsten werden zuhause Platz für ein ausgestattetes Gym haben. Dafür gibt es immer Platz für Minibands und eine Sportmatte. Gewichte wie Kettlebells bieten auch abwechslungsreiche Trainingsmöglichkeiten. Eine Klimmzugstange gibt es in den unterschiedlichsten Ausführungen, um sie an einen Türrahmen zu befestigen. Aber auch simple Haushaltsgegenstände bilden tolle Alternativen.
In meinen Onlineklassen benutzen wir mittlerweile Stühle, Blöcke oder Bücher, Blackrolls, Kissen und Handtücher. Wer sich keine Gewichte leisten kann, befüllt sich einfach einen Rucksack oder nimmt Wasserflaschen. Wer Cardio-Warmups mag, kauft sich ein Springseil – trainiere damit vielleicht lieber auf einem Teppich, wenn du deine Nachbar:innen nicht ärgern möchtest.
Welche Tipps gibt es fürs Home-Gym – ganz egal, wie klein oder groß die Wohnung ist? 
Meiner Meinung nach gibt es immer einen Platz in der Wohnung, um zu trainieren. Selbst kurze Mobilisierungen während der Arbeit können easy am Schreibtisch oder an der Wand ausgeführt werden. 
Deine innere Einstellung muss stimmen. Fällt es dir schwer, dich in deiner Wohnung zu motivieren, dann lüfte ordentlich durch und mach dir anschließend gute Laune Musik an.
Verabrede dich online mit anderen zum gemeinsamen Trainieren! Es fällt wesentlich leichter, dran zu bleiben, wenn wir uns verbindlich verabreden.
Welche Vorteile hat das Home-Gym? 
Ich selbst spare sehr viel Zeit, die ich eigentlich für Fahrtwege zu verschiedenen Klient:inneen nutze. Diese Zeit kann ich wiederum für mein Fortbildunskonzept nutzen oder zwischen den Kursen und Meetings mal eben eine Wäsche waschen, was zu Essen kochen – alltägliche Dinge erledigen, für die sonst nur am Wochenende Zeit wäre. Ich denke da geht es uns allen sehr ähnlich. So ist auch das Home-Gym ein riesen Zeitgeber! Die Sporttasche muss nicht gepackt werden, der Fahrtweg fällt weg und die Dusche ist direkt nebenan. Zusätzlich kann man die Privatsphäre beim Training genießen. Welche Grimassen du bei deinen Übungen ziehst, ist egal – denn es sieht niemand. 
Inwiefern muss man die eigene Sportroutine, die man im Gym hatte, verändern oder anpassen? 
Das kommt ganz auf deine Sportroutine an. Natürlich fehlen jetzt einige Lieblingsgeräte aus dem Gym, aber das bietet wiederum Raum, kreativ zu werden und Neues auszuprobieren und ja, auch deine Routine etwas zu verändern. 
Fehlt das Laufband, schnapp dir ein Springseil oder lauf eine Runde um den Block. Fehlen dir deine Gym-Klassen, probier dich an Onlineformaten. Es gibt immer Wege, an manche muss man sich nur ein wenig gewöhnen, bis man sie zu schätzen weiß. 

Author: James Fond