Ausblick auf das zweite Quartal 2021: Diese 5 Fragen beschäftigen jetzt die Märkte

Seema Shah Bild: Principal Global Investors1. Was bedeutet der ungleichmäßige Impffortschritt für die Aussichten in den jeweiligen Volkswirtschaften, vor allem in den Schwellenländern?Nach einem langsamen Start beginnen sich die Covid-19-Impfprogramme in vielen Ländern zu beschleunigen. Die daraus resultierende positive Stimmung treibt die globalen Märkte auf neue Höchststände, auch wenn die Volkswirtschaften im ersten Quartal 2021 noch zu kämpfen hatten.Das Gleiche kann man nicht von den Schwellenländern sagen. Russland, China und Indien sind die bemerkenswerten Ausnahmen, da sie ihre eigenen Impfstoffe entwickelt haben. Aber die meisten Schwellenländer werden Vakzine nicht vor Ende 2021 oder 2022 erhalten, und selbst dann wird die schlechte Infrastruktur ihre Verteilung behindern.

Das bedeutet, dass die Beschränkungen nur sehr langsam aufgehoben werden, was vor allem den internationalen Grenzverkehr betreffen kann. Vor allem die stark vom Tourismus abhängigen Länder – etwa in Südostasien – werden wohl noch länger unter einer Wachstumsdelle leiden. Das hat auch Auswirkungen auf die entwickelten Volkswirtschaften.2. Wann wird die Federal Reserve die Geldpolitik straffen?
Reflation, also die Ankurbelung der Wirtschaft durch die massiven fiskalischen und monetären Impulse, wird unweigerlich mit der Erwartung einer höheren Inflation einhergehen. Tatsächlich würde schon ein kleiner Zinsschritt nach oben zur Bekämpfung von Inflation zu einem im Vergleich zu früheren Zyklen über­proportionalen Anstieg der Kosten für den Schuldendienst führen. Dessen sind sich die Zentralbanken jedoch bewusst, so dass zu erwarten ist, dass sie extrem vorsichtig agieren werden.US-Leitzins (Federal Funds Rate)UntergrenzeGrafik: Principal Global Investors >> vergrößernUm die Bedenken zu zerstreuen, hat die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ein klares Bekenntnis zu ihrem neuen durchschnittlichen Inflationsziel abgegeben, so dass ein nachhaltiges Überschreiten des Inflations­ziels von 2 Prozent erforderlich wäre, bevor sie die Politik straffen würde. Ein kurzfristiger Anstieg der Kerninflation wird hingegen wohl eher als willkommenes Zeichen für eine allmähliche Normalisierung gesehen und nicht ausreichen, um eine geldpolitische Wende herbeizuführen.Wenn es nicht zu einem größeren Wachstums-„Schock“ kommt, der die Überkapazitäten auf dem Arbeitsmarkt rasch aufzehrt, wird für die Zinsen weiter die Devise „lower for longer“ gelten, sie werden also über längere Zeit niedrig bleiben.3. Was können Investoren von der Biden-Regierung in Sachen „grüne Energie“ erwarten?Seit dem Tiefpunkt der US-Märkte im März 2020 hat sich der Index Nasdaq Clean Edge Green Energy vervierfacht, und die Outperformance im grünen Sektor hat sich nach dem Wahlsieg von Präsident Biden noch weiter beschleunigt.Tatsache ist, dass der Klimawandel und die Energiewende jetzt zu einem grundlegenden Bestandteil der US-Außen- und Handelspolitik geworden sind. Auch wenn Bidens Plan aufgrund der dünnen demokratischen Mehrheit im Kongress auf Gegenwind stoßen dürfte, könnten sogar geopolitische Faktoren die US-Regierung zum Handeln zwingen. So startet China zum Beispiel ein massives Dekarbonisierungsprogramm im eigenen Land, das die USA unter Druck setzen könnte, diesem Beispiel zu folgen.Entwicklung des Nasdaq-OMX-Solar-IndexJanuar 2016 bis März 2021Grafik: Principal Global Investors >> vergrößernTrotz aller Einwände, dass mehr Klimaschutz zu höheren Kosten für Unternehmen und Regierungen führen könnte, und Zentralbanken, die ebenfalls eine „grüne Agenda“ verfolgen, möglicherweise zur Blasenbildung bei Vermögenswerten beitragen – saubere Energie ist ein Faktor, den Investoren nicht länger ignorieren können.

Author: James Fond