Anleihen in Hart- und Lokalwährungen: Drei Schwellenländer-Segmente, viele Chancen

Michael Arno, Franklin TempletonSchwellenländer bieten Alternativen für Anleiheanleger, die angesichts sehr niedriger und sogar negativer Renditen in den entwickelten Volkswirtschaften auf der Suche nach Erträgen sind. Mit einem flexiblen Ansatz, der die drei Hauptanlageklassen – auf Hartwährungen lautende Unternehmensanleihen, auf Hartwährungen lautende Staatsanleihen und auf Lokalwährungen lautende Staatsanleihen – effektiv nutzt, lassen sich die Chancen erschließen, die sich aus makroökonomischen Zyklen ergeben.Auf Hartwährungen lautende Investment-Grade-AnleihenDas große Risiko an den Märkten für auf Hartwährungen lautende Investment-Grade-Anleihen ist das Zinsrisiko, wie im ersten Quartal dieses Jahres offenkundig wurde. Unsere Modelle für US-Anleihen deuten zwar nicht mehr auf eine extreme Überbewertung hin, US-Staatsanleihen sind jedoch nach wie vor mit gewissen Risiken behaftet. Auf kurze Sicht könnte es zu einer Rally bei US-Schatzanleihen kommen, da sie für Anleger mit Sitz im Ausland auf währungsgesicherter Basis gegenüber europäischen und japanischen Staatsanleihen attraktiv sind. Blicken wir mittelfristig in die Zukunft, erscheinen die Wachstumsaussichten für die USA recht stark, wodurch US-Staatsanleihen vor Aufwärtsdruck stehen könnten. Zugleich dürfte ein Anziehen der Zinsen in den entwickelten Ländern bestimmte Segmente der Schwellenländer unter Druck setzen, beispielsweise Investment-Grade-Unternehmensanleihen mit längerer Duration sowie Investment-Grade-Staatsanleihen.Im Bereich der auf Hartwährung lautenden Investment-Grade-Anleihen halten wir daher angesichts der momentan niedrigen Rendite pro Durationseinheit (siehe Grafik 1) eine Ausrichtung auf kürzere Duration oder zumindest eine Absicherung der Treasury-Risikokomponente für angebracht.Grafik 1: Investment-Grade-Titel im EMBI und CEMBI: Rendite pro Durationseinheit auf historischem TiefststandAuf Hartwährungen lautende HochzinsanleihenWährend Investment-Grade-Anleihen Risiken ausgesetzt sind, die sich aus steigenden Zinsen ergeben, könnten hochverzinsliche Anleihen grundsätzlich gut für einen möglichen weltweiten Wirtschaftsboom aufgestellt sein. Die Schwellenländer dürften im Zuge der globalen Konjunkturerholung eine enorme Belebung ihres Wachstums verzeichnen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet damit, dass die Ländergruppe 2021 und 2022 um 6,7 beziehungsweise 5 Prozent wächst. Angesichts der Aussichten auf eine Erholung könnten hochverzinsliche Anleihen aus Schwellenländern attraktive Chancen bieten, unter anderem bei bestimmten auf Hartwährungen lautenden hochverzinslichen Staatsanleihen. Allerdings müssen Anleger angesichts der erhöhten Ausfallrisiken in diesem Anlageuniversum äußerst selektiv vorgehen.Chancen sehen wir vor allem in EMBI (Emerging Markets Bond Index)-Hochzinsländern, die von einer Erholung der Tourismusbranche sowie der Ölpreise profitieren könnten. Einige dieser Länder sind zweifellos einer schwierigen Schuldendynamik ausgesetzt, aber in einigen von ihnen könnte eine Erholung einsetzen – insbesondere, wenn der IWF, wie er bereits mit Verweis auf Sonderziehungsrechte angekündigt hat, kurzfristige Liquidität bereitstellt, die im Zuge der Wiedereröffnung der Wirtschaft benötigt wird.Außerdem sehen wir Gelegenheiten bei Unternehmensanleihen, und zwar sowohl in zyklischen als auch nicht-zyklischen Sektoren. Es eröffnen sich Chancen bei Grund- und Rohstoffen sowie bei Titeln mit kürzerer Duration aus Sektoren, die von der Wiedereröffnung der Wirtschaft profitieren.LokalwährungsmärkteAn den Märkten für auf Lokalwährung lautende Staatsanleihen legten die Renditen im ersten Quartal zu. Angesichts der aktuellen Stabilität am Markt für US-Staatsanleihen sehen wir in mehreren Märkten gewisse Chancen bei auf Lokalwährung lautenden Staatsanleihen mit längerer Duration. Unser Forward-Bewertungsindex für Realrenditen tendierte im ersten Quartal aufwärts; wir haben daher kürzlich unsere Duration in ausgewählten Märkten Lateinamerikas, Asiens und Europas erhöht.Die größte Bewertungsanomalie sehen wir allerdings bei Schwellenmarktwährungen: Die Währungen von rohstofforientierten Volkswirtschaften haben sich im Nachgang der Rohstoffrally in vielen Fällen schwächer entwickelt als die jeweiligen Terms-of-Trade. Die entsprechenden Währungen sind auch größtenteils hinter fertigungsorientierten Devisenmärkten zurückgeblieben (siehe Grafik 2). Vor dem Hintergrund eines verbesserten Wirtschaftswachstums könnten Schwellenländerwährungen vor einer Aufwertung stehen.Grafik 2: Reale effektive Wechselkurse von SchwellenmarktwährungenChinas Kreditmarkt als größtes RisikoHinsichtlich des Ausblicks für die Schwellenländer gibt es mehrere Risiken, die genau beobachtet werden müssen. Das erste Risiko betrifft den chinesischen Kreditmarkt. Es wird erwartet, dass Chinas Kreditimpuls im weiteren Verlauf dieses Jahres abnehmen dürfte, nachdem Peking den Bankensektor bereits angewiesen hat, die Kreditvergabe zurückzuschrauben. Noch ist unklar, wie aggressiv die Verringerung des chinesischen Kreditwachstums im Vergleich zu früheren Zyklen ausfallen wird und welche Auswirkungen das in der Folge für die Schwellenländer haben könnte.Der zweite Faktor, den es im Blick zu behalten gilt, ist die Politik der US-Notenbank. Die Neuausrichtung auf ein durchschnittliches Inflationsziel, das die vergangenen Jahre mit niedrigen Zinsen einbezieht, impliziert, dass die Fed ihre Zinsen über einen längeren Zeitraum hinweg unverändert belassen will. Allerdings preisen die Märkte derzeit Zinserhöhungen ein, obwohl die US-Notenbank diese noch gar nicht angekündigt hat. Wer hat nun Recht – die Märkte oder die Fed? Da die US-Realzinsen auch Auswirkungen auf die künftige Entwicklung der Schwellenländer haben dürften, werden wir die US-Zinsen genau im Auge behalten.Wichtige rechtliche Hinweise:Diese Unterlage soll ausschließlich allgemeinem Interesse dienen und ist nicht als persönliche Anlageberatung oder Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf, Verkauf oder Halten eines Wertpapiers oder zur Übernahme einer Anlagestrategie zu verstehen. Sie stellt auch keine Rechts- oder Steuerberatung dar.Die in diesem Dokument enthaltenen Meinungen, Aussagen und Analysen geben die aktuelle Einschätzung zum Erscheinungsdatum (oder in einigen Fällen zu einem bestimmten Datum) wieder und können sich jederzeit ohne Vorankündigung ändern. Die vorliegenden Informationen stellen keine vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region oder einen Markt dar.

Author: James Fond