Anlagechef warnt: Die Gefahr im Markt steigt

Trotz einiger aufgetretener Virus-Varianten halten die internationalen Impfkampagnen die Corona-Pandemie zunehmend unter Kontrolle. Lediglich die asiatischen Länder bilden eine Ausnahme, da in ihnen die Impfrate deutlich hinterherhinkt. Die Unternehmensergebnisse des ersten Quartals in Europa und den USA haben die Konsenserwartungen größtenteils und mit deutlichem Abstand übertroffen. Die Wirtschaft erholt sich und die Unternehmen blicken einer starken Nachfrage entgegen.Die Volatilität wird zunehmenIn den von uns verwalteten Strategien hatten wir Risikoaktiva im November 2020 übergewichtet, nachdem Pfizer einen Impfstoff gegen Covid-19 angekündigt hatte. Aber im vergangenen Monat haben wir unsere Position verändert, da wir Bedenken haben, dass die Inflationserwartungen zu schnell ansteigen. Wir denken, dass der Markt jetzt in eine neue und wesentlich ungünstigere Phase eintritt, die von steigender Volatilität gekennzeichnet ist.Zwar sind wir der Meinung, dass die Gewinnerwartungen angesichts des starken Aufschwungs durchaus konservativ sind. Sie könnten sogar noch weiter angehoben werden, da Analysten die Ergebnisdynamik von Unternehmen nach dem Ende einer Rezession oftmals unterschätzen. Dies kann jedoch nicht über akut bestehende Gefahren hinwegtäuschen: Wir sollten uns nicht zu sehr darauf verlassen, von den Gewinnen positiv überrascht zu werden. Die Verknappung von Komponenten, vor allem von Mikrochips, in Verbindung mit steigenden Produktionskosten könnte die Margen der Unternehmen beeinträchtigen, bevor sich die Lieferketten wieder normalisieren.

 Die Inflation steigtHinzu kommt: Nach unserer Überzeugung sind alle Voraussetzungen dafür erfüllt, dass die Inflationssorgen der Marktteilnehmer in den kommenden Wochen zunehmen. So ist beispielsweise die 10-jährige Breakeven-Inflation in den USA, die sich in indexierten Anleihen widerspiegelt, wieder auf historische Höchststände von circa 2,65 Prozent gestiegen.
Für diese Entwicklung sehen wir folgende Gründe:Wenn sich Volkswirtschaften wieder öffnen und Engpässe auftreten, können ihre Inflationsdaten erratisch werden. Dies beweist die Preisentwicklung in den Vereinigten Staaten im April. Auch wenn diese Inflation bei näherer Betrachtung als vorübergehend eingestuft werden kann, sollten inflationsbesorgte Anleger besser nicht zu sehr auf die Details blicken.Die Regierung von US-Präsident Joe Biden versucht, einen massiven Infrastrukturplan Er hebt den fiskalischen Stimulus auf ein noch nie dagewesenes Niveau an.Die Federal Reserve (Fed) ist keinen Millimeter von ihrer ultra-akkommodierenden Politik abgerückt – obwohl die Inflationserwartungen Niveaus erreicht haben, die in den letzten 20 Jahren nur selten gemessen wurden. Das jüngste Protokoll des Fed-Offenmarktausschusses enthält Informationen über eine Debatte, in der es um den Zeitpunkt der Ankündigung eines Tapering ging. Hierzu lieferte die Notenbank eine Art „Vorankündigung einer Vorankündigung“, indem sie Investoren aufforderte, sich auf eine Ankündigung des Tapering irgendwann in 2022 einzustellen.Wir müssen unsere Risikobereitschaft zurückfahrenDas bedeutet: Je klarer die Debatte über die geldpolitische Straffung der Fed wird, desto eher werden die Inflationserwartungen eine Obergrenze erreichen. Aber das wäre keine gute Nachricht für Investoren. Liquidität hat seit 2018 eine zentrale Rolle an den Märkten gespielt und die Aussicht auf Tapering ist eine Erinnerung daran, dass eine einzigartige Phase zu Ende geht. Angesichts der aktuell hohen Bewertungen müssen wir unsere Risikobereitschaft zurückfahren.Vor diesem Hintergrund hat Edmond de Rothschild Asset Management das Engagement in Wandelanleihen verringert. Gleichzeitig haben die Portfoliomanager unseres Unternehmens die Gewichtung in Staatsanleihen leicht erhöht, ohne dabei allerdings die grundsätzliche Untergewichtung dieser Anlageklasse aufzugeben. Eine gewichtige Rolle bei der Allokation spielt China, wo die Übergewichtung von Aktien angesichts der wechselnden Marktphase eine neue Bedeutung gewinnt. China hat sich unterdurchschnittlich entwickelt, weil die Pekinger Regierung verglichen mit westlichen Staaten nur geringe Stimulus-Maßnahmen eingesetzt hat. Tatsächlich hat bei chinesischen Unternehmensanleihen während der Krise eine Bereinigung stattgefunden. Während sich Anleger in Bezug auf andere große Volkswirtschaften die Frage stellen, wann die Geldpolitik gestrafft werden könnte, wird China die große Ausnahme bilden.

Author: James Fond