Aktien: Asiatische Small Caps kochen Vergleichsindizes ab

Geoffrey Wong, Head of Asia Pacific Equities bei UBS AMDas asiatische Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Auch zukünftig wird das Wachstum in der Region, die mit 4,65 Milliarden Menschen alle anderen Erdteile in den Schatten stellt, voraussichtlich viel höher sein als in der EU und den USA. 1,39 Milliarden Menschen entfallen dabei auf China, 1,36 Milliarden Menschen auf Indien, während die südostasiatischen Asean-Staaten 670 Millionen Menschen zählen, was der Bevölkerungszahl Europas entspricht. Der Asean-Verband (Association of Southeast Asian Nations) umfasst zehn Mitgliedstaaten: Brunei, Indonesien, Kambodscha, Laos, Malaysia, Myanmar, Philippinen, Singapur, Thailand und Vietnam. Sein Ziel ist neben regionaler Stabilität vor allem die wirtschaftliche Integration und Verbesserung der regionalen Wettbewerbsfähigkeit.Asien holt bei Produktion und Konsum aufDie Kaufkraft in den Volkswirtschaften Asiens nimmt immer weiter zu. Die Zahl der Milliardäre in Asien übertrifft mittlerweile die in den USA und in Europa, der Wohlstand ist also enorm gestiegen und wird wahrscheinlich weiter zunehmen. 922 Milliardäre werden derzeit in China gezählt, die USA kommen auf 696 Milliardäre, gibt der diesjährige Hurun-Report des gleichnamigen chinesischen Verlags zu Protokoll.Mit Blick auf die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter ist festzustellen, dass in absehbarer Zukunft die übergroße Mehrzahl der weltweiten Arbeitskräfte in Asien beheimatet sein wird – insbesondere in den schnell wachsenden Bevölkerungen Indiens und des Asean-Staatenverbunds. Das Wachstum der erwerbstätigen Bevölkerung in den entwickelten Ländern stagniert hingegen, wie im Fall der USA, oder schrumpft sogar, wie in Europa.Führend ist Asien inzwischen auch bei Innovationen. In China, Japan, Südkorea und Taiwan werden mehr Patente angemeldet als in den USA und Europa zusammen. Und auch die Ausgaben im Bereich Forschung und Entwicklung sind höher.Covid-19 bremst erneut in Teilen AsiensDie Impfkampagne in den USA kommt gut voran und Europa wird wahrscheinlich recht schnell aufholen. Die einkommensschwächeren Länder in Asien, wie Indonesien und Indien, haben hingegen mit einer neuen Covid-19-Welle zu kämpfen. Daher dürfte sich das BIP-Wachstum in diesen Schwellenländern in nächster Zeit verlangsamen. Wir gehen jedoch davon aus, dass das erneute Aufflackern von Covid-19 in diesen Ländern nur kurzfristig für Unruhe sorgen wird. Gegen Ende des Jahres dürften wir eine Aufholjagd der asiatischen Volkswirtschaften sowie der asiatischen Märkte gegenüber dem Rest der Welt sehen.Asiatische Unternehmen sind fundamental gesundAsiens Unternehmen glänzen mit soliden Strukturen. Ein Aufbau von gravierenden Überkapazitäten, die nicht selten zu einem größeren Abschwung im Wirtschaftszyklus führen, lässt sich nicht erkennen. Wegen verschiedener Unsicherheiten blieben die Investitionsausgaben in der Region in den vergangenen Jahren niedrig. Das schlägt sich derzeit in Engpässen nieder, am offensichtlichsten in der Halbleiter-Produktion und bei bestimmten Rohstoffen wie Kupfer und Nickel. Diese Verknappung dürfte zu herausragenden Margen innerhalb dieser Branchen führen.Eindruck machen auch die Bilanzen der Unternehmen. Der Anteil der liquiden Mittel asiatischer Unternehmen liegt auf einem historischen Höchststand. Zugleich bewegt sich ihre Verschuldung auf einem historischen Tiefstand. Natürlich gibt es auch kleine und mittlere Unternehmen, die, ebenso wie Privatpersonen, Schulden aufgenommen haben, aber die großen Indexunternehmen, in die wir im Allgemeinen investieren, zeichnen sich durch eine moderate Verschuldung und hohe Barmittel aus.Zinspolitik sollte nur geringe Auswirkungen habenIn den vergangenen Monaten gab es am Markt eine gewisse Angst vor steigenden Anleiherenditen. Höhere Zinsen müssen dem Wirtschaftsaufschwung in Asien jedoch nicht unbedingt abträglich sein. Im Hinblick auf die Zinspolitik erwarten wir, dass die Zentralbanken die kurzfristigen Zinsen weiterhin niedrig halten werden. Das lange Ende der Zinskurve dürfte sich zukünftig jedoch versteilern. In der Vergangenheit war eine eher lockere Korrelation zwischen der Performance von Aktien und der Zinskurve zu beobachten, sodass wir nicht allzu besorgt über steigende Zinsen am langen Ende sind.Ganz klar: Die Bewertungen aller Anlageklassen rund um die Welt erscheinen nicht mehr günstig; das gilt auch für asiatische Aktien. Ihre Entwicklungschancen sehen allerdings im Vergleich zu anderen großen Anlageklassen weiterhin am besten aus.Es lohnt sich, aktiv in Asien zu investierenWelche Vorzüge bietet das aktive Investieren innerhalb Asiens? Asiatische Aktien entwickeln sich teils deutlich dynamischer als Papiere aus den USA und anderen entwickelten Märkten – es ist möglich, sehr hohe Renditen zu erzielen. Das zeigt auch die Performance unseres asiatischen Aktienportfolios in den vergangenen sechs Jahren: Die kumulierte Gesamtrendite unserer aktiv durch Fondsmanager verwalteten Portfolios liegt doppelt so hoch wie die der Vergleichsindizes.Bei den Small Caps fällt diese Entwicklung in der Rückschau auf die vergangenen acht Jahre sogar noch dramatischer aus. Die Rendite unserer aktiven Portfolios war fast dreimal so hoch wie die der Benchmark-Indizes. Unser Fazit: Es zahlt sich aus, in Asien und gerade auch bei Small Caps aktiv zu sein.Womit hängen diese herausragenden Zahlen zusammen? Zwei Faktoren sind hier besonders zu nennen. Zum einen besteht im Vergleich zu den etablierten Weltregionen eine größere Ineffizienz innerhalb der asiatischen Märkte, insbesondere bei Small Caps. Fondsmanager können daher noch echte Perlen entdecken. Zum anderen ist Asien eine dynamisch wachsende Region – und daraus ergeben sich bedeutende Trends und Themen. Wer in der Lage ist, die Gewinner dieser Trends und Themen zu finden und die Verlierer zu vermeiden, kann sehr ordentliche Renditen erzielen, die zu sehr guten Gesamtrenditen für ein diversifiziertes Portfolio führen können.

Author: James Fond